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Mein Vater
Panayiota Theotoki
Atteshli spricht über ihren Vater Daskalos
Es ist schwierig, über
einen Mystiker zu sprechen oder ihn zu porträtieren. Es erweist sich
als noch schwieriger, wenn dieser Mystiker dein Vater war, und es
ist ein Ding der Unmöglichkeit, in einem einzigen Vortrag einen
genauen Bericht seines Lebens und seiner Philosophie zu geben. Es
wird mir deshalb nur möglich sein, einen kleinen Einblick in sein
Leben und seine Lehren zu vermitteln.
Mein Vater wurde am
12.12.1912 geboren. Einige werden bei dieser dreifachen Zahl 12 die
Stirn runzeln. Ich bin mir sicher, dass die Numerologen eine
passende Interpretation zu diesem Geburtstagsdatum finden würden –
aber wir brauchen das nicht wirklich.
Im kleinen privaten Rahmen
hat mein Vater oft seine unglückliche Kindheit bedauert. Sein Vater
bekleidete eine hohe Position in der Administration der Britischen
Marine auf Zypern. Schon in frühen Kindesjahren bemerkte mein Vater,
dass sein Bewusstsein höher entwickelt war als jenes der anderen
Kinder. Für ihn war es ganz natürlich, zu wissen, was andere
Menschen denken. Ihm war nicht bewusst, dass andere Kinder diese
Fähigkeit nicht hatten. Niemand schien ihn zu verstehen, wenn er
über die Gegenwart von Naturgeistern sprach oder über Wesen, die für
andere unsichtbar waren. Ich möchte dies mit einer Anekdote
untermalen, die er oft erzählte.
Der Lehrer bat meinen
Vater zur Lösung eines mathematischen Problems an die Tafel. Mein
Vater brachte zu seiner Entschuldigung hervor, dass er seine
Hausaufgaben nicht gründlich genug gemacht hätte und deshalb nicht
in der Lage sei, dieses Problem zu lösen. Der Lehrer insistierte
jedoch und sprach: „Dann wollen wir einmal sehen, woran du dich
erinnern kannst.“ Als mein Vater mit der Kreide in der Hand an der
Wandtafel stand, flüsterte eine Präsenz hinter ihm: „Mach dir keine
Sorgen, Stelios. Ich bin bei dir und werde deine Hand führen, damit
du die richtige Lösung an die Tafel schreiben kannst.“ Als mein
Vater die Aufgabe gelöst hatte, war der Lehrer sehr aufgebracht und
sagte: „Du hast mich angelogen. Wenn du deine Hausaufgaben nicht
gemacht hättest, wäre es dir nicht möglich gewesen, diese Aufgabe zu
lösen. Schäm dich! Ich werde dich bestrafen müssen. Geh hinaus in
den Flur.“ Zufällig, wie man sagt, kam der Direktor vorbei und
fragte meinen Vater, warum er vor der Türe stehen müsse. Worauf mein
Vater ihm genau auseinanderlegte, was geschehen war.
Glücklicherweise wusste der Direktor um die spirituellen
Dimensionen. Er nahm meinen Vater mit in sein Büro und stellte ihm
viele Fragen über seinen unsichtbaren Helfer. Als er hörte, dass
dieser „Helfer“ jegliche Probleme lösen konnte, fragte er den Vater
meines Vaters, ob dieser einverstanden sei, wenn sie mit seinem Sohn
ein Experiment durchführten. Die Lehrer an jener Schule hatten ein
mathematisches Problem, zu dem sie zwar das Ergebnis kannten, aber
nicht den Lösungsweg. Mein Vater löste dieses Problem mit Hilfe
seines „unsichtbaren Helfers“. Anschließend interessierten sie sich
für die Übersetzung eines lateinischen Textes. Mein Vater fragte:
„Wollen Sie die Übersetzung in Neugriechisch oder Altgriechisch?“
Der Direktor gab meinem Vater den Rat, die Beziehung zu den
Geistwesen sehr diskret zu behandeln, da die meisten Menschen ihn
nicht verstehen könnten. In einem Gespräch mit dem Vater meines
Vaters meinte der Direktor: „Was können wir diesen Jungen lehren? Er
weiß mehr als wir.“
Schon in sehr jungen
Jahren erinnerte sich mein Vater bewusst an alle seine früheren
Inkarnationen. Für ihn war Reinkarnation eine unbestreitbare
Tatsache, und seine gesamte Philosophie basiert auf diesem Glauben.
Er erinnerte sich zum Beispiel an die Zeit, die er zu Lebzeiten von
Joshua Immanuel dem Christus mit Yiohannan verbrachte – Johannes dem
Evangelisten. Als mein Vater sieben Jahre alt war, übergab ihm
Yiohannan die sieben Versprechen, die zum Gelübde aller
„Wahrheitsforscher“ wurden. (Mein Vater hatte nie „Jünger“, er
wollte nie ein „Guru“ sein. Seine Studenten bezeichnete er als
„Wahrheitsforscher“.)
Ich gelobe mir selbst:
1.
allezeit und allerorten der Absoluten Seinsheit zu dienen,
der ich aus ganzem Herzen
zugehöre;
2.
allezeit und allerorten bereit zu sein, dem göttlichen Plan
zu dienen;
3.
die göttlichen Gaben von Gedanken und Wort allezeit und
allerorten und unter allen Umständen wohl zu gebrauchen;
4.
geduldig und ohne Klage mich allen Formen von Prüfung und
Drangsal zu fügen, die das göttliche Gesetz in seiner unendlichen
Weisheit mir auferlegen mag;
5.
meine Mitmenschen zu lieben und ihnen zu dienen, aufrichtig
und aus den Tiefen meines Herzens und meiner Seele, ganz gleich, wie
sie sich mir gegenüber verhalten mögen;
6.
mich täglich in die Absolute Seinsheit zu versenken und in
die Stille zu gehen mit dem Ziel, meine Gedanken, Wünsche, Worte und
Taten ganz auf seinen göttlichen Willen einzustellen;
7.
jeden Abend zu untersuchen und zu prüfen, ob all meine
Gedanken, Wünsche, Worte und Taten in absoluter Harmonie mit dem
göttlichen Gesetz stehen.
Dieses letzte Versprechen
führte zu dem, was mein Vater die „Innenschau“ nannte. Er beurteilte
diese Übung als äußerst wichtig und als absolutes „Muss“ für jeden
Wahrheitsforscher. Jeden Abend kurz vor dem Einschlafen erinnert
sich der Schüler an den zurückliegenden Tag, von Anfang bis Ende.
Entspanne dich
vollständig, sieh dich in jeder Begegnung und Situation dieses Tages
und frage dich:
Was habe ich gedacht oder
gefühlt, was ich nicht hätte denken oder fühlen sollen?
Was habe ich nicht
gedacht oder gefühlt, was ich hätte denken oder fühlen sollen?
Was habe ich gesagt, was
ich nicht hätte sagen sollen?
Was habe ich nicht
gesagt, was ich hätte sagen sollen?
Was habe ich getan, was
ich nicht hätte tun sollen?
Was habe ich nicht
getan, was ich hätte tun sollen?
Beschuldige dich nicht und
lobe dich nicht, sondern beobachte vielmehr aus der Position eines
außenstehenden Betrachters. Durch diese Übung wirst du lernen, deine
Emotionen, Gedanken und Taten zu ihrem Ursprung zu verfolgen mit dem
Ziel, den Egoismus der Persönlichkeit zu eliminieren.
Zu Hause verbrachte mein
Vater viel Zeit mit seinem Kindermädchen. Sie wusste, dass er einsam
war und lehrte ihn die Kunst des Stickens. Er hat Stickereien immer
sehr geschätzt. Wenn die Erwachsenen über ihre Probleme
diskutierten, hörte er ihnen aufmerksam zu und überraschte sie nicht
selten mit seinen Kommentaren. Bei einer solchen Gelegenheit nahm
ihn sein Vater bei Seite und fragte ihn: „Mein Sohn, sag mir, bist
du ein Engel oder ein Teufel?“ Mein Vater lächelte immer, wenn er
diese Geschichte erzählte, denn seine Antwort lautete: „Vermutlich
ein wenig von beiden.“
In der Schule zeichnete er
sich in den Fächern Musik, Kunst und Sprachen aus. Er spielte
Violine und Klavier und komponierte später sogar eigene Lieder. Der
Kunstlehrer empfahl ihm, seine Ölgemälde mit „G.M.“ zu signieren –
Großer Meister.
Er beherrschte die
türkische Sprache so gut, dass ihm in der Türkei ein Stipendium
angeboten wurde, das er jedoch nie annahm. Stattdessen erwarb er in
England unter anderem Doktortitel in Philosophie und Theologie. Er
beherrschte viele Sprachen, z.B. Neugriechisch und Altgriechisch,
Türkisch, Latein, Russisch, Englisch, Französisch, Italienisch,
Sanskrit, Aramäisch sowie die Hieroglyphensprache der alten Ägypter.
Wir waren eine glückliche
Familie: Mein Vater, meine Mutter, die vor ihrer Heirat Lehrerin
war, meine jüngere Schwester und ich. Als ich 14 Jahre alt war,
starb unsere Mutter. Es war ein großer Schock für uns alle. Von
diesem Moment an war mein Vater für meine Schwester und mich sowohl
Vater als auch Mutter. Er war der liebevollste Vater, den man sich
vorstellen kann.
Im Haus meines Vaters
waren immer viele Besucher zugegen; Nachbarn, Studenten oder
Menschen, die Heilung suchten. Seit seiner frühen Kindheit hatte er
die Gabe des Heilens. An manchen Tagen empfing er bis zu 80
Menschen, und die meisten von ihnen erhielten ihre Heilung. Wenn sie
ihm dankten, pflegte er zu sagen: „Dankt Gott, nicht mir.“ Einige
Heilungen waren so außergewöhnlich, dass die Menschen von Wundern
sprachen. Doch mein Vater sagte immer: „Es sind keine Wunder. Wenn
du die Gesetze der Natur kennst, wirst du das verstehen.“
Wenn ich euch eine
Zusammenfassung der Lehren meines Vater in zwei Worten geben müsste,
so wären diese: „Wacht auf!“ Er liebte es, Menschen aus ihrem
spirituellen Schlummer aufzuwecken. Er fragte oft: „Wer bist du? Was
bist du?“ Und fügte hinzu: „Du bist nicht deine Emotionen, nicht
deine Wünsche und auch nicht deine Gedanken. Du bist nicht deine
Körper, sondern etwas viel Größeres.“ „ Ich habe
wohl gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten.“
(Psalm
82:6) Und in Johannes 10:34 heißt es: „Jesus antwortete
ihnen: Steht es nicht in eurem Gesetz geschrieben: Ihr seid Götter?“
Mein Vater sagte immer,
dass man im Leben nur zwei Bücher braucht. Das eine ist das Neue
Testament und das andere ist das Buch des eigenen Lebens. Im Buch
unseres Lebens beginnen wir jeden Tag mit einer neuen Seite. Es
spielt keine Rolle, ob die letzte Seite verunreinigt war. Wir
beginnen mit einer frischen und sauberen Seite. Der heilige Lukas
sagt im Evangelium: „Da sprach Jesus zu ihm: Niemand, der
seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das
Reich Gottes.“ (Lukas 9:62)
Mein Vater liebte das Neue
Testament. Er pflegte zu sagen, dass das Neue Testament der
wertvollste Begleiter für einen Wahrheitsforscher sein sollte.
Unglücklicherweise wurde durch frühe Kirchenväter vieles aus der
Bibel entfernt oder verändert, aber jene die das Neue Testament mit
offenem Geist für die spirituelle Wahrheit lesen können, werden
immer noch viele sehr wertvolle Informationen darin finden. Mein
Vater liebte die Gleichnisse.
Lasst uns zum Beispiel die
Parabel des unreinen Geistes betrachten: Der unreine Geist fuhr vom
Menschen aus und durchstreifte dürre Stätten, sammelte weitere
sieben Geister ein, die noch böser waren als er selbst und kehrte zu
dem Menschen zurück. Mein Vater bevorzugte den Begriff „Elemental“
an Stelle des „unreinen Geistes“. Jeder Gedanke, jede Emotion oder
jedes Begehren erschafft eine Gedankenform, und zwar entweder eine
Emotional-Gedankenform oder eine reine Gedankenform. Christus wusste
um diesen Unterschied, denn er nannte diese Geister oder Elementale
unrein. Er beschreibt in dieser Parabel, wie diese Elementale in dem
Moment erschaffen werden, wo sie ihr „Heim“ verlassen. Ihr Heim ist
die Persönlichkeit des Menschen. Wenn ein Elemental erschaffen wird,
entweder durch Gedanken oder durch Emotionen, vibriert es in der
gleichen Schwingungsfrequenz wie sein Schöpfer. Das Elemental hat
sein eigenes Leben, seine eigene Identität und natürlich auch eine
Art Intelligenz. Nachdem das Elemental die Persönlichkeit verlassen
hat, sagt es sich: „Ich werde zu meinem Schöpfer nach Hause
zurückkehren, um mir neue Energie zu beschaffen. Doch wenn es
zurückkehrt bringt es „sieben weitere noch bösere Geister“ mit sich.
Warum locken wir solche Geister (Elementale) an? Wir wissen
doch, dass Gleiches einander anzieht, dass ein Elemental in
derselben Frequenz vibriert wie andere solche Elementale, dass es
dadurch Wesenheiten anzieht, die in der gleichen Frequenz schwingen
wie es selbst oder sogar noch schlimmer, und dass diese dann
zurückkehren.
Gibt es euch nicht zu
denken, wenn ihr erkennt, dass jeder Gedanke, ob gut oder schlecht,
zum Denker zurückkehrt? Mein Vater betonte immer: „Sei der Meister
deiner Gedanken, Gefühle und Emotionen und nicht ihr Sklave!“
Versuche, dich einige Minuten lang auf deine Gedanken zu
konzentrieren, und du wirst feststellen, wie schwierig es ist, sie
zu kontrollieren.
Viele Vorträge meines
Vaters begannen mit einer kraftvollen Aussage: „Das, was ist, was
immer war und was immer sein wird, ist die Absolute Unendliche
Seinsheit, Gott als die Absolute Unendliche Wirklichkeit.“ Er
betonte, dass alle göttlichen Wesen, Monaden, die sich innerhalb der
Absoluten Seinsheit befinden, die göttliche, allen zugrunde liegende
gemeinsame Selbstheit ausdrücken; wir könnten auch sagen, sie sind
Götter innerhalb von Gott. Wir sprechen nicht über Pantheismus. Für
meinen Vater stand fest, dass es nur einen Gott gibt in seiner
Dreifaltigkeit: Die Absolute Unendliche Seinsheit, der Logos und der
Heilige Geist. ES bewegte Gott, sich selbst in sich selbst
auszudrücken, als Schöpfung, durch „euareskeia“,
Schaffensfreude. Das griechische Wort „euareskeia“ enthält
eine gewisse Freude, die ihren Ursprung im freigiebigen
Sich-Verschenken einer warmen, großzügigen und reichen Quelle hat.
Woraus sind die Welten der
Schöpfung gemacht? Die Absolute Seinsheit und die göttlichen Wesen
strömen Geist (mind) aus, wie mein Vater es nannte. Diese
heilige Substanz wird in verschiedenen Schwingungsfrequenzen
benutzt, die von Überlicht über psycho-noetische Übersubstanz und
Substanz bis hin zu Materie reichen, die verfestigter Geist
(mind) ist.
Unsere Körper sind ebenfalls aus Geist (mind) gemacht:
·
der
grobstoffliche Körper aus verfestigtem Geist (mind)
·
der
psychische Körper, unser Emotionalkörper, aus Geist (mind)-
Substanz
·
der
noetische Körper, unser Gedankenkörper, aus Geist (mind)-
Übersubstanz.
Als wir über Elementale
sprachen, erwähnten wir bereits, dass jeder Gedanke und jede Emotion
eine Form hat, die aus Geist (mind)- Substanz oder
Übersubstanz besteht.
Mein Vater hat uns
dringend empfohlen, die Gabe der Beobachtung zu gebrauchen. Wenn wir
uns selbst, die Natur und die Universen sorgfältig beobachten,
können wir wichtige Schlussfolgerungen ziehen. So werden wir zum
Beispiel erkennen, dass alles durch die Absolute Seinsheit und die
heiligen Erzengel in Allweisheit und Allmacht erschaffen wurde. Seid
euch bewusst, dass der göttliche Funke auch in jedem kleinsten Teil
der Schöpfung ist. Indem wir lernen, sorgfältig zu beobachten und
uns vollständig zu konzentrieren, wird uns das richtige
Visualisieren besser gelingen. Wir alle visualisieren ständig
unbewusst und erschaffen dadurch Elementale. Auf diese Art und Weise
erschaffen wir unsere Welt. Unsere Gedanken sind höchst kraftvoll
und Visualisierung ist ein Vorgang des konstruktiven bewussten
Denkens, entweder zur Ausdehnung unseres Bewusstseins oder um jenen
zu helfen, die in Not sind.
Mein Vater liebte es,
Menschen mit unerwarteten Fragen zu konfrontieren. So fragte er zum
Beispiel gern: „Hast du eine Seele?“ „Ja natürlich,“ würde die
Person antworteten. Mein Vater lachte und sagte: „Oh nein, du bist
eine Seele und du hast einen Körper.“ Der Lehre meines Vaters zu
Folge entstammt der Mensch einem Strahl einer heiligen Monade. Der
Strahl des Geistes geht durch das Urbild des Erzengel-Menschen
und dann durch das Urbild des himmlischen Menschen, um
entsprechend dem Gesetz der menschlichen Form Gestalt anzunehmen.
Von diesem Moment an wird ein Schutzerzengel eins mit dem Geist, der
sich vermenschlichen wird. Ein kleiner Strahl unseres
Geist-Ego-Seins wird zu einer selbstgewahren Seele geformt. Nun
haben wir zwei Fundamente des inneren Selbst:
·
das
Heilige-Monaden-Selbst innerhalb der Absoluten Seinsheit und
·
dessen
Emanation, die selbstgewahre Seele.
So wie das Geist-Ego-Sein
die selbstgewahre Seele hervorbringt, erfüllt die Seele ihre eigene
Projektion mit Leben. Diese Projektion ist das, was wir als unsere
permanente Persönlichkeit bezeichnen. Wenn sie in die Welten der
Existenz hinabsteigt, nimmt sie ihre eigene Farbe an und entwickelt
ihre eigenen Projektionen. Solange sie in den Welten von Raum, Ort
und Zeit verweilt, nimmt sie viele Namen vieler derzeitiger
Persönlichkeiten an, bekleidet sich mit vielen verschiedenen
Gewändern,und drückt sich auf vielerlei Weise in diesen Welten aus.
Aber wir sollten unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, dorthin
zurückzukehren, wo wir herkommen. Für meinen Vater war die Parabel
vom verlorenen Sohn eine der wichtigsten Parabeln, denn sie steht
symbolisch für unseren Abstieg in die Welten der Getrenntheit und
unsere Heimkehr zum allliebenden Vater.
Es
gibt zwei Zustände:
1.
Die Seinsheit, das Ewigwährende (in der Absoluten Unendlichen
Seinsheit), das Unveränderliche, das Immerwährende, in der Absoluten
Unendlichen Selbstheit
2.
Die Existenz, das, was wir sehen können, der Ausdruck oder
die Manifestation dieser Seinsheit in der Welt der Existenz. Die
Welt der Existenz ist in der Welt der Seinsheit, denn um existieren
zu können, muss jede Form Seinsheit in sich haben.
Mein Vater hat nie eine
Lektion oder einen Vortrag je vorbereitet. Wenn er von den Schülern
gefragt wurde: „Worüber sprichst du heute?“ antwortete er: „Habt ihr
jemals gesehen, dass ich Papiere mit mir herumtrage? Wenn wir in der
Stoa sind, wird Yiohannan genau wissen, was gebraucht wird.“
Nie hat mein Vater
behauptet, dass er alle Antworten kenne. Auf die Frage, warum wir
Menschen gekommen sind, um in dieser Welt der Getrenntheit zu leben
(sind wir in Ungnade gefallen?) entgegnete er, dass diese brennende
Frage niemals beantwortet worden sei. „Sogar die ganz Großen, die
ihr Selbstbewusstsein in die höchsten Ebenen des
Selbst-Überbewusstseins erhoben haben, bleiben still.“ Er fügte
hinzu, dass es auf der materiellen Ebene des Planeten keine
vertrauenswürdigen Spuren gebe, die es einem Wissenschaftler
erlauben würden, bezüglich der Herkunft des Menschen zu vernünftigen
Ergebnissen zu kommen. Die Theorie von Charles Darwin könne
ernsthafte Wahrheitsforscher nicht befriedigen.
Hat mein Vater immer die
Gedanken anderer Menschen gelesen? Nein. Er tat dies nur, wenn es
der Heilung diente oder wenn ein anderer legitimer Grund vorlag.
Dann stimmte er sich auf die Person ein und wusste genau, was er
oder sie dachte. Oft sagte er jedoch, dass es kein Segen sei, zu
wissen, was andere Menschen denken. Wenn er von Menschen nach ihren
früheren Inkarnationen gefragt wurde, entgegnete er für gewöhnlich,
dass sie sich aufgrund der Gnade Gottes nicht daran erinnern würden.
Um dem ins Auge sehen zu können, was wir in der Vergangenheit waren
und getan haben, bedarf es einer besseren mentalen und spirituellen
Verfassung als jener, in der sich die meisten Menschen befinden.
Mein Vater hatte einen
großen Sinn für Humor. Er meinte, wir sollten die kleinen Probleme
des alltäglichen Lebens nicht zu ernst nehmen. Wenn jemand mit einem
unbedeutenden Problem zu ihm kam, fragte er ihn: „Wie wichtig ist
dieses Problem? Werden die Menschen in hundert Jahren immer noch
davon sprechen?“ Eine seiner beliebtesten Aussagen war: „Nichts ist
besonders wichtig und die meisten Dinge haben überhaupt keine
Bedeutung.“
Titel waren für meinen
Vater unwichtig; er wollte brüderlicher Lehrer und Freund sein. Wenn
er gefragt wurde, ob er nach etwas strebe, sagte er: „Ja, ich wäre
gerne ein Taschentuch, damit ich die Tränen aller Menschen trocknen
könnte.“ „Titel sind vollkommen unnötig“ , meinte er, und als sich
ein Journalisten auf das Buch „Der Magus von Strovolos“ bezog (Titel
des ersten Buches von Markides), sagte er: „und definitiv bin ich
kein Magier, um Gottes Willen!“
Nach der Veröffentlichung
der Bücher von Markides stieg die Zahl der Besucher in Strovolos an.
An manchen Tagen kamen hunderte von Menschen, um die Lektionen
meines Vater zu hören. Natürlich kamen viele in erster Linie, weil
sie an einer Heilung interessiert waren. In den letzten Jahren
seines Lebens widmete mein Vater dem Lehren und der Vorbereitung
seiner Bücher mehr Zeit. Ihm war bewusst, dass viele Menschen, die
durch ihn geheilt wurden, zu gegebener Zeit einen Rückfall erleiden
würden, weil sie seine Lehren nicht verstanden oder nicht verstehen
wollten.
Er betonte immer, dass
alle Menschen ihre Gedanken und Emotionen kontrollieren, ihren
Egoismus reduzieren und Gott und ihre Mitmenschen lieben sollten.
Das ist die Grundlage für Gesundheit und Glück. Das Gefühl, die
Gegenwart eines Meisters zu brauchen oder von allen heiligen Büchern
der Welt umgeben zu sein ist, als ob man sich auf seinem Weg auf
Krücken verlassen würde. Ein Meister kann uns beraten, wie wir
unnötige Umwege vermeiden können, aber die Arbeit muss von uns
selbst getan werden. Das ist jahrelange harte Arbeit, oder wie mein
Vater oft sagte, Arbeit für Jahrhunderte.
Ich möchte nun mit einem
Gebet und einer kurzen Meditation enden. Das Gebet ist das
Vaterunser, das mein Vater stets vor einem Vortrag betete. Yiohannan
hat ihm eine leicht abgeänderte Version mit einer zusätzlichen
Strophe gegeben. Die Meditation ist jene, die Joshua Immanuel der
Christus in der Synagoge der Essener-Bruderschaft an seine Jünger
weitergab, bevor er sie in die Welt aussandte, um als Lehrer und
Heiler zu arbeiten.
Vater unser
der du bist im Himmel
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf
Erden.
Gib uns heute unser
tägliches Brot,
und vergib uns unsere
Schuld,
wie auch wir vergeben
unseren Schuldigern.
Und führe uns in der
Versuchung
Und erlöse uns von dem
Bösen,
denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.
Absolute
Unendliche Seinsheit, Gott
ewiges
Leben, Liebe und Gnade,
Du
erschaffst dich selbst in dir selbst
als die
vollkommene Weisheit und Allmacht;
Erleuchte
unseren Geist,
damit wir
dich als die Wahrheit verstehen.
Reinige
unsere Herzen,
damit wir
Deine Liebe widerspiegeln können:
zu Dir und
zu all unseren Mitmenschen.
Amen
Meditation:
Entspanne dich vollständig.
Visualisiere Joshua Immanuel den Christus, wie er vor dir steht. Du
sitzt friedvoll da und hörst ihm zu.
In
vollkommenem Einssein mit seinem göttlichen Selbst, dem Logos, und
eingestimmt auf jeden einzelnen Menschen breitet Joshua die Arme aus
und sagt:
„Ihr alle,
hört mir zu. Ihr seid meine Kinder, meine Nachkommen. Ich bin in
euch als Gott, als Absolute Seinsheit, als euer wahres Selbst, und
ihr seid immer in mir als Götter. Und ich bin auch mit euch als
menschliches Wesen, als euer liebender Vater in unserem liebenden
Vater.
Jeder
Atemzug, den ihr macht und der das Leben eures materiellen Körpers
aufrechterhält, ist ein väterlicher Kuss von mir für euch.
Meine
Geliebten, ich werde nicht in Worten irgendeiner Sprache zu euch
sprechen, sondern ich werde als Inspiration und Wahrnehmung zu euch
kommen.
Ich bin die
Hitze, die eure Körper am Leben erhält.
Ich bin die
Brise, die frische Luft, die euer Antlitz streichelt.
Ich bin in
euren Augen – als euer Sehvermögen – damit ihr euch an meinen
Werken, die ihr als Phänomene des Lebens um euch herum seht,
erfreuen könnt. Ich bin das Sehen und ich sehe alles.
Ich
erschaffe ununterbrochen Geist (mind)-Substanz für euch, um
eure Körper am Leben zu erhalten. Ich bin das lebendige „Brot des
Lebens“.
Ich bin das
lebendige Wasser, das ihr trinken könnt, um niemals mehr durstig zu
sein.
Ich bin die
Geist (mind)-Vitalität überall auf der Welt.
Ich bin
Geist und ich bin Form.
Ihr seid in
meiner All-Gegenwart.
Ich bin die
weise Stimme in eurem Denken, die zu euch spricht, wenn ihr etwas
Unrechtes tut. Nicht um euch zu schelten, sondern um euch
aufzuwecken.
Denn ich bin
die Vernunft in euren Gedanken Und die Liebe in euren Herzen.
Haltet alle
schlechten Gefühle von euren Herzen fern, desgleichen auch
Feindschaft und Grausamkeit, die ihr vielleicht in euch hortet.
Ich bin das
Leben in euch. Erfreut euch meines Lebens. Ihr seid meine
Nachkommen, ihr seid mein Fleisch und Blut, Teil meines Selbst.
Ich liebe
euch.
Liebt alle
meine Erscheinungsformen.
Liebt alle Mitmenschen so wie euer eigenes Selbst.
Liebt alles
Leben so „wie ich euch geliebt habe“ und wie ich euch immer lieben
werde.
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