Daskalos: Eine persönliche Betrachtung 

Andreas Hadjipapas kannte Stelios Atteshlis (Daskalos) gut. Unten finden sie seine persönliche Anerkennung eines außergewöhnlichen Mannes.

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„Möchten sie sehen wie Mr. Goult an seinem Ohr zieht?“, Daskalos lachte leise als er an meinem Schreibtisch stand und Herman Goult im gegenüberliegenden Büro anschaute. Als Goult, Redakteur der Cyprus Mail, seinen Stift zur Seite legte und an seinem rechten Ohr zu ziehen begann, versuchte ich mein Lachen zurückzuhalten, aber die Versuchung war unwiderstehlich.

 

Vielleicht ist es ein Zufall, warf ich ein. „OK, wie würde es ihnen gefallen zu sehen, wie er sich die Nase reibt?“, fragte er. Innerhalb von Sekunden geschah auch dies.

 

Es gab keinen Zweifel, dass Stelios Atteshlis die Macht hatte solche Dinge zu vollbringen – und vieles mehr. Manche Menschen behandelten ihn wie einen Gott, einen Wundermann. Andere bezweifelten seine Behauptung ein Heiler zu sein und waren überzeugt er wäre ein Scharlatan. Aber „Daskalos“ (Lehrer), wie die meisten Leute ihn nannten, war definitiv ein äußerst interessanter und faszinierender Mann.

 

Er erzählte mir, dass Makarios (ehm. Erzbischof von Zypern Anm.d.Ü.) ihn regelmäßig zur Beratung in sein Büro gerufen hatte. Während er als Korrektor bei der Zeitung arbeitete, kamen duzende Leute jede Nacht, um mit ihm über ihre Probleme zu reden. Es war kein Wunder, dass der Herausgeber ihn eines Nachts in sein Büro rief, um ihn zurechtzuweisen. „Herr Atteshlis, wir haben zu viele Fehler in der Zeitung dieser Tage!“

 

Bei einer anderen Begebenheit nahm ich ein Ferngespräch aus Athen entgegen. Die Dame am Telefon wollte Herrn Atteshlis sprechen. Einige Minuten später kam er rüber in mein Büro und sagte: „Wissen sie wer angerufen hat? Es war vom königlichen Hof in Athen. König Konstantins Tochter Alexia weint seit drei Tagen und die Ärzte wissen nicht was mit ihr los ist, also entschlossen sie sich mich anzurufen und um Rat zu fragen. Ich sagte ihnen, dem Baby wird es wieder gut gehen.“

 

Das letzte Mal als ich ihn in seinem Haus in Strovolos besucht hatte, ungefähr vor drei Jahren, saß die Frau eines europäischen Botschafters neben ihm und hörte aufmerksam, was er zu sagen hatte. Ich entschuldigte mich für die Störung. Er sah über seine dunklen Gläser und scherzte: „Das letzte mal als wir uns sahen, hattest du noch mehr Haare auf dem Kopf.“ Dann stand er auf und sagte: „Sie kommt fast täglich, also lass uns in den Flur gehen und du kannst mir sagen, was du willst.“

 

Atteshlis wurde in Nikosia, im Dezember 1912 geboren und ging in der American Academy Larnaca und der English School Nicosia zur Schule. Er studierte auch am Saint Andrews (London) und am Bennet College (Sheffield) und erwarb seinen Master Degree in metaphysischer Wissenschaft, ein Doktorat in Theologie (DD) und einen Ph.D. Er wurde Leiter der Buchdruckabteilung der städtischen Druckerei, während er in seiner Freizeit gerne malte und sich um seine geliebten Kakteen kümmerte.

 

Er hatte zwei Töchter und er scherzte gerne mit seinen Kollegen: „Ihr solltet nicht zu oft Sex haben – in größeren Intervallen könnt ihr ihn mehr genießen.“ Er glaubte fest an Reinkarnation und behauptete in privaten Unterhaltungen felsenfest, dass er in einem früheren Leben der Heilige Spyridon gewesen war. Eines Tages las ich in einem Schulbuch, dass der Hl. Spyridon wie Christus auf den Wellen des Meeres gegangen sein soll.

 

Ich musste ihn damit herausfordern. Ich kam mit dem Buch in sein Büro, er las es und sagte dann: „Die sind verrückt. Ich ging nur am Strand entlang und planschte manchmal im seichten Wasser; und die dachten ich ging auf Wellen!“

 

Ich besuchte niemals eine seiner Unterweisungen, aber ich respektierte ihn, und wenn wir scherzten, sagte er mir: „Ich weiß, dass du nicht glaubst, also hoffen wir, dass du meine Kräfte nicht eines Tages wirklich brauchen wirst.“

 

Als ich es tat, begriff ich, dass er wahrlich ein außergewöhnlicher Mann war.

 

Eine nahe Verwandte von mir wurde bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt und sie lag im Koma im Allgemeinen Krankenhaus Nikosia. Die Ärzte konnten nicht helfen. Als Atteshlis am Abend ins Büro kam, erzählte ich ihm davon. Er sagte: „Bring mir ein Foto von ihr.“

 

Ich eilte nach Hause und fand ein Foto von dem Mädchen. Er berührte es und fühlte es mit seinen Fingern. Als ich in sein Gesicht sah, schien es sich zu verändern und eine fast übermenschliche, göttliche Erscheinung anzunehmen. Das war nicht der Mann mit dem ich zuvor gescherzt hatte.

 

Er schloss seine Augen halb und sagte: „Ich bin jetzt bei ihr, keine Sorge. Sie wird wieder gesund. Sie hat einen Bruch über ihrem rechten Auge, der ihre Sehfähigkeit für einige Monate beeinträchtigen wird, aber sie wird wieder gesund.“

 

Dann schilderte er mir genau wie der Unfall passiert war, einschließlich was sie dachte, als das Auto verunglückte. Es war fast unglaublich, aber es stellte sich heraus, dass es gänzlich wahr war. Sie verbrachte zwei Monate im Krankenhaus und kam mit einem ernsthaften Problem mit ihrem rechten Auge heraus, das einige Monate später verschwand.

 

Er konnte ohne Zweifel außerordentliche Dinge vollbringen, aber ich mochte ihn mehr für den einfachen, menschlichen Aspekt seines Charakters. Als sich eine Frau an ihn um Hilfe wandte, weil ihr Mann sie wegen der Schönheit einer jüngeren Frau verlassen hatte, schaute Atteshlis auf das Bild ihres Mannes und sagte ihr unverblümt: „Wissen sie was... Ihr Mann ist ein feiner Mann. Es ist ihr großes Mundwerk, dass ihn vertreibt.“

 

Viele Menschen werden ihn sehr vermissen. - Andreas Hadjipapas

 

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